Entlebucher Anzeiger vom 23.08.99

Ausgabe vom Montag 23.08.99

Sechste Schweizermeisterschaft im Goldwaschen in Willisau

Sie suchten Gold - und fanden ihren Meister

Von Freitag bis Sonntag fand auf der Käppelimatt bei Willisau die Schweizermeisterschaft im Goldwaschen statt. Schweizermeister wurde Rudolf Aeschbacher aus Bärau. Luca Pasqualini aus Italien gewann die internationale Wertung. Die gelungene Hauptprobe für die Goldwasch-WM 2003 wurde von Gästen aus zehn verschiedenen Ländern besucht.

Von Lorenz Schaffner.

Goldwäscher - da denkt man an Goldrush, Alaska, Jack London und 19. Jahrhundert. Schon lange gibt es bei uns keine professionellen Gold-wäscher mehr. Dafür ist Goldwaschen zum Hobby für zahlreiche Amateur-Prospektoren geworden. Die sind sogar auf dem Internet präsent: unter www.goldwaschen.ch findet man alles Wissenswerte… Die Hobby-Goldwäscher ziehen am Wochenende mit Schaufel und Goldwaschpfanne an die verschiedensten Flussläufe und suchen nach dem gelben Metall. Zweihundert von ihnen nahmen am vergangenen Wochenende an der sechsten Schweizermeisterschaft im Goldwaschen in Willisau teil. Darunter waren auch zahlreiche Gäste aus Europa und sogar aus Übersee.

Geschicklichkeit/Wissen - und Glück

Zum Goldwaschen in der Natur gehört genauso Glück wie Geschicklichkeit und Wissen. Zuerst muss man goldhaltiges Kies erwischen - das liegt meist auf einer festen Unterlage, auf Nagelfluh oder Lehm - und dann werden in mühsamer Kleinarbeit die winzigen Goldkörner und -flitter herausgewaschen. In der Schweiz findet man nicht nur am Napf Gold, obwohl unsere Region am bekanntesten dafür ist. Sogar noch vielversprechender als an Fontanne und Emme ist die Suche am Rhein bei Disentis, dort finden sich manchmal sogar kleine Nuggets. Viele Goldwäscher aus der Schweiz haben aber auch schon in Kanada oder Australien geschürft, wo die Ausbeute gewöhnlich grösser ist als hier.

Für alle gleich viel Gold

Die Meisterschaften sind mit dem Goldwaschen in der Natur nur beschränkt zu vergleichen: im Wettbewerb geht es allein um die Geschicklichkeit im Umgang mit der Goldwaschpfanne. In einen Kessel, der halbvoll Kies ist, werden eine bestimmte Anzahl Goldflitter gemischt. Dann müssen die Teilnehmer in möglichst kurzer Zeit alle Goldflitter herauswaschen, für jedes Verlorene gibt es eine Zeitstrafe. Die meisten brauchen etwa fünf Minuten, um den Kies auszuwaschen und die gefundenen Flitter in eine wassergefüllte Phiole zu stecken. Dabei gibt es grosse Unterschiede: Während die einen alles Gold finden, schwemmen die andern die Hälfte oder mehr davon aus der Pfanne. Da für jedes verlorene Goldflitter fünf Minuten Strafzeit angerechnet wird, lohnt es sich, genau und nicht zu schnell zu waschen. Während am Samstag in einem «Vorlauf» die Mehrzahl der Startenden nach sechs Minuten fertig war, nahm es einer ganz genau und streckte erst nach einer Viertelstunde die Pfanne in die Höhe - das Zeichen, dass er fertig sei. Und obwohl im Publikum jemand spottete, das sei typisch für einen Berner, kam er weiter in den Viertel-Final: Er hatte alle Flitter gefunden und keine Strafzeit kassiert.

Geselligkeit gehört dazu

Am Samstagabend wurde bei Tanz und Musik unter anderem auch das 10-Jahre-Jubiläum der Schweizer Goldwäschervereinigung gefeiert. Überhaupt sind die Geselligkeit und die Abende im Festzelt ein wichtiger Bestandteil einer solchen Meisterschaft. Neben dem Parkplatz hatte es auch einen Camping: Einige der angereisten Teilnehmer übernachteten «goldsuchergerecht» im Zelt. Unter ihnen befand sich auch Adrian Müller aus Rüegsau. Er war zwar zum ersten Mal an einer Goldwasch-Meisterschaft dabei, sucht aber schon seit zehn Jahren in der Freizeit nach Gold. Meistens fährt er mit Kollegen schon am Freitagabend an einen Fluss und bleibt dann das ganze Wochenende dort. «Es geht dabei nicht nur ums Goldsuchen. Genauso gefällt es mir, in der freien Natur zu übernachten und am Abend etwas zu grillieren», erzählt er. Sein Ziel ist es, genug Gold zu finden, um sich einen Ring daraus machen zu lassen. Dazu fehlen ihm noch einige Gramm… Gelungene Hauptprobe Das Gelände in Willisau eignete sich bestens für die Goldwaschmeisterschaften, auf der Wiese hatte es Platz für Festzelt und Marktstände, am Hang gleich neben dem Bach konnte mit einigen Brettern und Pfählen ohne grossen Aufwand eine Tribüne aufgestellt werden. Für die zwanzig Startplätze waren Gruben ausgehoben, mit Plastik ausgekleidet und der Bach hindurchgeleitet worden. Am gleichen Ort soll in vier Jahren die Weltmeisterschaft stattfinden. Die Hauptprobe jedenfalls ist gelungen