Neue Luzerner Zeitung vom 23.08.99

Ausgabe vom Montag, 23. August 1999

Willisau:6. Schweizer Meisterschaften im Goldwaschen

Gold ging ins Ausland

Italiener und Französinnen entpuppten sich an der international ausgeschriebenen Schweizer Meisterschaft im Goldwaschen in Willisau als erfolgreichste Goldsucher.

VON STEFAN CALIVERS

Über 200 Wettkämpferinnen und Wettkämpfer aus elf Nationen massen sich am Wochenende in der idyllisch gelegenen Natur-Arena Käppelimatt bei Willisau in der Kunst des Goldwaschens. Für den Wettkampf erhalten die Teilnehmer eine bestimmte Menge Kies, in der eine der Jury bekannte Anzahl Goldflitter versteckt sind. In maximal 20 Minuten müssen die Goldflitter mit einer Goldwaschpfanne ausgewaschen werden. Pro verlorenen Flitter gibt es fünf Minuten Strafzeit. Rund sieben Tonnen Kies wurden für die Wettkämpfe benötigt. Importiert wurde er aus dem Kanton Obwalden, denn der Kies im Napfgebiet enthält bekanntlich echtes Gold.

Zwei Doppelsiege

Grosse Dominatoren bei den Herren waren die Italiener. Die Gebrüder Luca und Armando Pasqualini feierten einen Doppelsieg. Auf dem dritten Rang folgte mit Rudolf Äschbacher der erste Schweizer. Die Willisauer Lokalmatadoren René und Toni Obertüfer belegten die Plätze 18 und 19.

Auch bei den Damen setzte es einen Doppelsieg ab. Hier dominierten die Französinnen Cécile Thibaud und Luce Varlet das Feld. Als beste Schweizerin klassierte sich Monika Leu im sechsten Rang. Ebenfalls bei den Veteranen ging der Sieg mit Jacques Brest an Frankreich, derweil der Schweizer Felix Lüdi den Final der Junioren für sich entschied. Bei den Teams belegten die starken Italiener gleich die drei ersten Ränge.

WM 2003 in Willisau?

Eingebettet in die Wettkämpfe war ein grosses Fest mit drei Jubiläen: 10 Jahre Schweizerische Goldwäschervereinigung, 20 Jahre Theater «D Goldsucher am Napf» in Hergiswil und 30 Jahre Goldgräberverein Willisau. Der Goldwäschervereinigung gehören landesweit rund 320 Aktive an.

Nach der erfolgreich verlaufenen Schweizer Meisterschaft haben sich die Organisatoren der Schweizerischen Goldwäschervereinigung bereits ein neues Ziel gesteckt. An den Welttitelkämpfen vom kommenden Wochenende in Tschechien bewirbt sich die Schweiz für die Durchführung der WM 2003. Als Austragungsort käme wiederum Willisau zu Ehren, eine Region also, in welcher Goldwaschen Tradition hat. Als seine Blütezeit im Napfgebiet gelten das 16. bis 18. Jahrhundert. Dem Staat Luzern wurden während dieser Zeit insgesamt etwas mehr als 30 Kilogramm Gold abgeliefert. Noch bis in die Neuzeit gab es Berufsgoldwäscher, doch zu Reichtum habe es keiner gebracht.